Nachbarrechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit häuslichen Musizierens in einem Reihenhaus

Nachbarrechtliche Anforderungen an die Zulässigkeit häuslichen Musizierens in einem Reihenhaus

BGB §§ 906,1004 

1. Da das häusliche Musizieren einschließlich des dazu- gehörigen Übens zu den sozialadäquaten und üblichen Formen der Freizeitbeschäftigung gehört, sind daraus her-rührende Geräuscheinwirkungen jedenfalls in gewissen Grenzen zumutbar und in diesem Rahmen als unwesentliche Beeinträchtigung des benachbarten Grundstucks i. S. v. § 906 Abs. 1 BGB anzusehen; insoweit hat ein Berufsmusiker, der sein Instrument (hier. Trompete) im häuslichen Bereich spielt, nicht mehr, aber auch nicht weniger Rechte als ein Hobbymusiker und umgekehrt. 

2. Dass sich Geräuscheinwirkungen durch die Nutzung von Nebenraumen wie einem Dachgeschoss- Oder Kellerraum verhindern oder verringern lassen, rechtfertigt es nicht, dem Nachbarn das Musizieren in den Hauptraumen seines Hauses gänzlich zu untersagen. 

3. Bei der Bestimmung der einzuhaltenden Ruhezeiten kommt es grundsätzlich nicht auf die individuellen Lebensumstände des die Unterlassung beanspruchenden Nachbarn an (hier: Nachtdienst als Gleisbauer); vielmehr sind beim häuslichen Musizieren die üblichen Ruhestunden in der Mittags- und Nachtzeit einzuhalten. 

4. Wann und wie lange musiziert werden darf, richtet sich nach den Umstanden des Einzelfalls, insbesondere dem Ausmaß der Geräuscheinwirkung, der Art des Musizierens und den örtlichen Gegebenheiten; eine Beschränkung auf zwei bis drei Stunden an Werktagen und ein bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen, jeweils unter Einhaltung üblicher Ruhezeiten, kann als grober Richtwert dienen. 

BGH, Urteil vom 26.10.2018 (V ZR 143/17, LG Augsburg) VersR 2019,303

Über den Autor

Martin Sommerfeld administrator